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Warum kann das Fasten im Ramadan für Patienten mit Diabetes riskant sein?
Langes Fasten verschiebt die Zeiten der Mahlzeiten und der Behandlung, deshalb kann der Blutzucker stärker fallen oder steigen als im restlichen Jahr [2]. Fastende Patienten mit Diabetes haben ein höheres Risiko für Hypoglykämie, Austrocknung, Hyperglykämie und Ketoazidose [2]. Im Ramadan dauert das Fasten einen Monat, und jeden Tag gibt es von der Morgendämmerung bis zum Sonnenuntergang weder Essen noch Wasser [2].
Das Risiko unterscheidet sich stark von Patient zu Patient, je nach Diabetestyp, Behandlung und Komplikationen [1] [2]. Hypoglykämien treten bei Patienten unter Insulin oder einem Sulfonylharnstoff häufiger auf als bei Patienten mit anderen Diabetesmedikamenten [2]. Etwa die Hälfte der Hypoglykämien tritt in den letzten Stunden des Fastens auf, daher meiden Sie in dieser Zeit am besten intensive körperliche Anstrengung [2]. Die Mahlzeit zum Fastenbrechen enthält oft viele Kohlenhydrate (KH), Zucker und Fett, und danach kann der Blutzucker stark steigen [2].
Wie wird der IDF-DAR-Score berechnet und was bedeuten die drei Kategorien?
Der Score addiert die Punkte für 14 Merkmale, die den Diabetes, die Behandlung, die Komplikationen und die Art des Fastens betreffen [1]. Sechs Situationen erhalten jeweils 6,5 Punkte und führen allein zum hohen Risiko [1]. Es sind die Schwangerschaft, die Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörung, eine instabile Herz-Kreislauf-Erkrankung, die fortgeschrittene chronische Nierenerkrankung, Störungen von Gedächtnis und Denken sowie fortgeschrittene Gebrechlichkeit [1]. Ein Glukosesensor senkt den Score um einen halben Punkt, fehlende Schulung zum Fasten erhöht ihn um einen Punkt [1].
Eine Summe von höchstens 3 Punkten bedeutet niedriges Risiko, und das Fasten ist wahrscheinlich sicher, wenn die Behandlung vorher überprüft und der Blutzucker sorgfältig gemessen wird [1]. Eine Summe von 3,5 bis 6 Punkten bedeutet mittleres Risiko, die Sicherheit des Fastens ist also unklar, die Behandlung muss angepasst und der Blutzucker oft gemessen werden [1]. Eine Summe über 6 Punkte bedeutet hohes Risiko, und das Fasten ist nicht sicher [1]. Religiöse Regeln erlauben Patienten mit hohem Risiko die Befreiung vom Fasten [1]. Der Rechner ordnet die Summe von 3,25 Punkten dem mittleren Risiko zu, weil dieser Wert von den veröffentlichten Kategorien nicht abgedeckt wird.
Was ist vor dem Ramadan und während des Fastens zu tun?
Das Gespräch über das Fasten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt findet am besten 6–8 Wochen vor dem Ramadan statt, weil sich manche Merkmale des Scores verbessern lassen [2] [3]. Dabei werden die Dosen von Insulin oder anderen Medikamenten, die Zeiten der Blutzuckermessung und die Mahlzeiten festgelegt [2] [3]. Für lange Fastentage werden Medikamente mit geringem Hypoglykämierisiko bevorzugt [2].
Das Fasten muss sofort abgebrochen werden, wenn der Blutzucker unter 70 mg/dL (3,9 mmol/L) fällt [3]. Das Fasten wird auch abgebrochen, wenn der Blutzucker über 300 mg/dL (16,7 mmol/L) steigt oder wenn Symptome einer Hypoglykämie oder eine akute Erkrankung auftreten [3]. Liegt der Blutzucker zwischen 70 und 90 mg/dL (3,9–5,0 mmol/L), muss er innerhalb von höchstens einer Stunde erneut gemessen werden [3]. Blutzuckermessung und Insulininjektionen brechen das Fasten nicht, deshalb sollte der Blutzucker so oft wie nötig gemessen werden [3].
Für wen ist der Rechner für das Fasten im Ramadan geeignet?
Der Score wurde für Patienten mit jeder Form von Diabetes entwickelt, und seine frühere Version wurde bei Erwachsenen in mehreren Ländern überprüft [1] [4]. Patienten mit hohem Risiko hatten während des Fastens häufiger Hypoglykämien und Hyperglykämien [4]. Für Kinder und Jugendliche mit Diabetes gibt es noch keinen überprüften Risikoscore, deshalb ist der Rechner erst ab 18 Jahren anwendbar [5]. Die Vorbereitung eines Kindes oder Jugendlichen mit Diabetes auf das Fasten übernimmt das pädiatrische Diabetesteam, durch Beratung und Schulung [5].
Der Score kann auch bei anderen Fastenformen ohne Essen und Wasser während des Tages Orientierung geben, auch wenn ihre Risiken anders sein können [2]. Der Score gilt nicht für Speisefasten wie das christliche Fasten, bei dem auf bestimmte Lebensmittel verzichtet wird, zum Beispiel auf tierische Produkte. Das Ergebnis dient nur der Orientierung, und die Entscheidung zum Fasten und der Behandlungsplan werden gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt festgelegt.
Quellen
- The 2026 Update of the IDF-DAR Risk Calculator for Fasting in People with Diabetes. J Diabetes Endocr Pract. 2025. DOI
- 5. Facilitating Positive Health Behaviors and Well-being to Improve Health Outcomes: Standards of Care in Diabetes-2026. Diabetes Care. 2026;49(Suppl 1):S89-S131. PubMed
- Diabetes and Ramadan: Practical guidelines 2021. Diabetes Res Clin Pract. 2022;185:109185. PubMed
- Risk stratification using the 2021 IDF-DAR risk calculator and fasting experience of Bangladeshi subjects with type 2 diabetes in Ramadan: The DAR-BAN study. J Clin Transl Endocrinol. 2023;31:100315. PubMed
- ISPAD Clinical Practice Consensus Guidelines 2022: Ramadan and other religious fasting by young people with diabetes. Pediatr Diabetes. 2022;23(8):1512-1528. PubMed